Hacking society / comment on public space

Experience Design lecture 2014/15 | 9 CP

Objekte, insbesondere interaktive Technologien, haben einen großen Einfluss darauf wie Menschen handeln. Die Interaktion mit ihnen ist sozusagen der Zugang zu der die Menschen umgebende Welt (Dourish, 2004). Bei den Objekten kann es sich um Mobiltelefone, Autos und sogar Straßen oder Gehwege handeln. All diese großen oder kleinen Objekte nehmen viel oder wenig Einfluss. Ihre Größe hat natürlich nichts mit dem Maß ihres Einflusses zu tun. Aus dem Begehren von ein m Ort zu einem anderen zu gelangen, wird beispielsweise eine Autofahrt (ein hochtechnisiertes interaktive Objekt), eine Fahrt mit dem Fahrrad (das Smartphone des Fahrers ist immer dabei) oder ein Spaziergang durch die Innenstadt auf einem Gehweg. Alle genannten Objekte können Einfluss auf das Handeln von Menschen nehmen. Sie beziehen dabei eine Haltung, sie sind „non-neutral“ (Ihde, 2008). Im Semesterprojekt wurde der öffentliche Raum unsicher gemacht. Die Studierenden sammelten zunächst Situationen, in denen sie etwas verändern wollten. Dabei war die Fragestellung, wo es Situationen gibt, in denen sie schon immer einmal Menschen zum Nachdenken und anders Handeln bringen wollten. Ziel war die Veränderung von Handlungsweisen sowie Menschen zu berühren und zum Nachdenken zu bringen. Im nächsten Schritt gestalteten die Studierenden verschiedene Interventionen, die in der Situation eine solche Veränderung evozierten. Alle Konzepte wurden prototypisch umgesetzt, im Feld konfrontiert und evaluiert.

Der Kurs wurde in Zusammenarbeit mit Dipl. Des. Kai Eckoldt durchgeführt.


Durchsagen

Robin Neuhaus

Die Arbeit von Robin Neuhaus lässt sich ohne Ton und Film kaum nachempfinden. Die Ausgangssituation von Neuhaus war ein Warteraum auf einem Bahnsteig. Menschen kommen und gehen und warten in dem Raum auf Züge oder ankommende Reisende. Menschen sitzen in diesem Warteraum anonym für sich allein auf den Bänken. Jeder versucht den Blickkontakt zu anderen Fahrgästen zu vermeiden und klammert sich an eine Zeitschrift oder das Smartphone. Wenn jedoch eine Durchsage ertönt, heben sich die Köpfe und jeder lauscht der krächzenden Stimme die aus dem Lautsprecher ertönt. Spätestens, wenn Verspätungen oder seltsame Informationen mitgeteilt werden, was ja durchaus vorkommen soll, bildet sich eine Gemeinschaft aus raunenden Stimmen. Alle sind sich einig, dass das ja wieder klar war. Man unterhält sich über die letzte Verspätung und die Unannehmlichkeiten der Bahn. Aus der zuvor anonymen Masse bildet sich eine Schicksalsgemeinschaft. Der Ärger über die Verspätung ist fast vergessen. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Bei seltsamen Durchsagen oder einem ungewöhnlichen Dialekt schmunzeln viele und man sucht den Blickkontakt zu anderen Fahrgästen.

Robin Neuhaus erzeugt diese Situationen künstlich. Durchsagen wie beispielsweise der Hinweis, dass man durchaus mit anderen Fahrgästen sprechen darf, soll die anonyme Situation aufbrechen. Diese Durchsagen ertönen bei Neuhaus aus einem versteckten Lautsprecher im Warteraum. Aber auch lustige Durchsagen, bei denen der Mitarbeiter Bahn die eigentlichen Informationen der Durchsage vergisst, sollen Fahrgäste ins Gespräch bringen. Robin Neuhaus gestaltet mit seinen Durchsagen, die er alle in einem Warteraum testete, kein Objekt, Interface oder Service, sondern einen zwischenmenschlichen Austausch. Dieser soll den wartenden Menschen Freude bereiten und die Anonymität öffentlicher Verkehrsmittel aufbrechen.

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